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Die sonnige Pfarre Dechantskirchen
Besonderes im Kirchenjahr
Die Finsterinsel und die Sonneninnsel
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Letztes Update:
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Es gibt eine Insel, die nennt man
die Finsterinsel.
Nicht weil die Nächte schwärzer sind als sonst wo, auch nicht, weil unter Tags die Sonne selten scheint, sondern deshalb heißt sie Finsterinsel, weil alle Leute dort
ein finsteres Gesicht
machen.
Warum?
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Sie sind sehr unzufrieden
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Das gibt es die, die kein Land haben, sind neidisch auf die andern. Jene, die Land haben, schimpfen über die schwere Arbeit und über das Wasser, das so weit herzuleiten ist.
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Sie sind neidisch, und meinen, der andere sei viel reicher. Manchmal passiert es, dass ein Bauer des nachts sich davonschleicht und heimlich, den Grenzstein versetzt.
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Die einen schimpften über den Wind, die anderen jammern, dass die Sonne zu heiß ist.
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Mit nichts sind sie zufrieden. Deshalb so ein finsteres Gesicht der Leute auf der Finsterinsel.
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Die Leute sind sehr misstrauisch
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Wenn sie
von anderen Besuch
bekommen, dann reden sie nicht viel, sie zeigen dem Gast nichts. Denn sie meinen, er komme um auszukundschaften, damit wer weiß, wie er ihnen am besten schaden könne. So bauen sie
hohe Zäune
um die Gärten, manche sogar
hohe Mauern,
mit einem kleinen Spalt, den sie Tür nennen.
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Sie kommen auch
nicht mehr zusammen.
Sie schließen sich ab.
Niemand singt ein Lied.
Es gibt keine Freude, ein finsteres Gesicht haben alle auf der Finsterinsel.
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Keine Lehrer
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Es gibt auch keine Lehrer auf der Insel, denn keiner, der etwas weiß, will es dem anderen wissen lassen.
Auch gibt es keinen Pfarrer, denn keiner wusste, dass es einen guten Gott gibt und keiner wollte einem anderen Gutes tun.
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Die Kinder streiten viel
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Wenn sie
Völkerball spielen,
streiten sie viel, dass dabei kein Spiel herauskommt. Sie tragen auch ihr Jausensackerl am Arm oder am Buckel, aus Angst, andere könnten ihnen die Jause wegessen.
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Wenn sie streiten, wird oft gerauft, manchmal rinnt Blut und fließen Tränen. Ein finsteres, verweintes Gesicht haben alle Kinder.
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Und wenn sie vom Spiel nach Hause gehen, gehen sie über die Wiesen und Felder und
treten Gras und Blumen zusammen. Sie quälen oft Tiere,
denn die sollen auch keine Freude haben.
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Nicht lustig ist es zu leben auf dieser Finsterinsel. Eines der Kinder, sie nennen ihn Franzi, hat gehört, es gäbe eine andere Insel, da geht's nicht so traurig zu.
Deshalb nennt man sie auch die Sonneninsel. Aber keiner sagt was Rechtes darüber.
So entschließt sich Franzi diese Insel zu suchen. Er zimmert sich ein Boot zusammen, legt etwas zum Essen und zum Trinken hinein und rudert los.
In der Nacht rudert er los, damit ihn niemand sieht und ihn davon abhalten könnte. Es ist vollkommen Windstille und ungefährlich, in Richtung Osten soll er fahren, dort wo die Sonne aufgeht. Das tut er auch.
So fährt er dahin, rudert ein wenig und rastet er sich aus und lässt sich treiben. So fährt er die ganze Nacht und gegen Morgen, die Sonne scheint schon, da sieht er in der Ferne etwas. Ist das die Sonneninsel?
Eine Insel wird es wohl sein, aber ob es die Sonneninsel ist, weiß er nicht. Er rudert weiter, kommt an den Strand. Da winken ihn von oben her Kinder zu, freundlich, sie lachen.
„Die tun mir sicher nichts Böses.“
Er zieht sein Boot ans Ufer. Da kommen schon die Kinder und helfen ihm. Sie binden es mit einem Seil fest, damit der Sturm, wenn einer kommt,
es nicht ins Meer hinaustreibt, und er dann keine Möglichkeit mehr hätte, nach Hause zu rudern.
Und wie er
die Böschung hinaufgeht
und die weite Insel sieht, da merkt er, die schaut gleich aus wie zu Hause. Die Bauern
arbeiten fleißig
und rufen sich gegenseitig freundliche Grüße zu. Die Leute, die auf der Straße gehen, grüßen einander. Viele
bleiben stehen
und plaudern miteinander. Wie sie dem Dorf näher kommen, da sieht Franzi, die Häuser haben
keine hohen Zäune, keine Mauern.
Es sitzen alte Leute herum und
plaudern freundlich.
Am großen Platz spielen Kinder
Völkerball.
Da ist ein großer Bub. Der spielt
Schiedsrichter.
Die Kinder
streiten nicht.
Sie laufen nicht über die Wiese und
treten keine Blumen zusammen.
Einige hüten die Schafe andere plantschen mit dem Wasser herum.
Alle haben eine freundliches Gesicht.
Einer nimmt den Franz gleich mit ins Haus, er bekommt eine gute Jause, darf bei ihnen übernachten. Da fällt ihm auf, dass sie die Haustür nicht zusperren.
„Bei uns stiehlt niemand.“
In den nächsten Tagen nehmen sie den
Franzi in die Schule mit.
Den ganzen Vormittag verbringen sie dort. Der Lehrer ist freundlich und er weiß sehr viel. Keiner stellt ein Haxl und alle sind hilfsbereit.
Und dann kommt der Sonntag.
Sie kleiden sich schöner an, versammeln sich am Dorfplatz. Dann gehen sie in ein großes Haus. Da ist ein Mann mit einem weißen Kleid.
„Das ist unser Pfarrer“,
sagt einer seiner neuen Freunde. Er begrüßt die Leute und dann stimmt er ein Lied an. Alle singen mit, klatschen mit den Händen, die kleinen Kinder tanzen herum,
alte Leute knien. Der Pfarrer sagt etwas mit freundlichem Gesicht. Dann wird wieder gesungen.
Draußen stehen dann die meisten noch länger beisammen, bevor sie wieder nach Hause gehen und ein gutes Essen bekommen.
Franzi versteht, warum diese Insel „Sonneninsel“ heißt: Weil alle so freundlich sind.
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