Corona-Krise 2020 und Rückschau

 

 

Ein Virus kleiner als ein tausendstel Millimeter hat die ganze Welt durcheinander gewirbelt: Die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Kirchen, die Krankenhäuser. Es gibt aber auch positive Effekte. Der eine besteht darin, dass man mehr Zeit hat. Diese möchte ich nützen, um auf die letzten Jahre unserer Liturgiearbeit zurück zu schauen.

 

 

Die drei liturgischen Highlights

 

 

Neben vielen anderen möchte ich drei Einführungen der letzten 20 Jahre erwähnen, die unsere Liturgie besonders bereichert haben: Die Evangelienprozession, die Taufgelübdeerneuerung und den Verkündigungsdienst der Laien.

 

 

1. Die Evangelienprozession

 

 

 

 

Es ist einmal bei einer Pfarrerwoche ein gebrauchtes Evangeliar mit metallenem, vergoldeten Umschlag zu Kauf angeboten worden. Der Herr Pfarrer hat sofort zugeschlagen und gekauft. Seither haben wir bei jedem Sonntagsgottesdienst und bei jedem Begräbnis die Evangelienprozession mit Hallelujaruf. Bei Hochfesten wird das Evangeliar mit Weihrauch inzensiert. Einmal sagte Herr Pfarrer: „Mich wundert es, dass dies meine Mitbrüder noch nicht nachgemacht haben.“ Denn durch diese Prozession wird das Wort Gottes als Vehikel für die Anwesenheit Christi, besonders hervorgehoben.

Eine Bereicherung sind zu Festzeiten auch die Lichterträger.

 

 

 

 

2. Die Taufgelübdeerneuerung

 

 

Meistens ist diese Feier am Samstagabend vor der Hl. Erstkommunion. Wie ist dieses Fest entstanden? Maria Knöbl hat im Jahre 1998 bei einem Elternabend vorgeschlagen, die weißen Kleider für die Erstkommunikanten einzuführen. Die weißen Kleider sind keine Kutten, auch keine Brautkleider, sondern Taufkleider. Bei der Erneuerung des Taufversprechens bekommen die Kinder wieder ein der Größe entsprechendes Taufkleid. Das ist der tiefe Sinn der weißen Erstkommunionkleider. Zwei Eltern waren dagegen, alle anderen dafür. Um diese weißen Kleider festlich einzuführen, haben wir extra das Fest der Taufgelübdeerneuerung eingeführt. Es gehört zu den schönsten Festen im Kirchenjahr.

Die Eltern gehen in die Kirche. Die Kinder versammeln sich mit den PatInnen beim Kirchhofaufgang für ein Foto. Das Kind in der Mitte, die Patin links mit dem weißen Erstkommunionkleid, das in Wirklichkeit ein Taufkleid ist, der Pate rechts mit der Taufkerze. So ziehen sie in die Kirche ein. Die Kinder stellen sich in der Kirche rechts und links vorne auf, dahinter die Paten.

Predigt: Der Pfarrer erzählt von der Finsterinsel und von der Sonneninsel. In die Finsterinsel verpackt er alles, wie Kinder und Erwachsene nicht leben sollen. In die Sonneninsel leben Kinder und Erwachsene so, wie Jesusfreunde eben leben. So nach der Feststellung des Apostels Paulus: „Ihr habt den alten Menschen der Bosheit ausgezogen und den neuen Menschen, der sich nach Jesus Christus ausrichtet, angezogen.“

Das haben eure Eltern damals bei der Taufe versprochen. Heute sollt ihr es erstmals selber versprechen.

Ich frage also alle Erstkommunionkinder:

1. Willst Du schimpfen, streiten, raufen, lügen?“

Alle: „Nein, das will ich nicht!“

2. „Willst du Sachen beschädigen, Blumen zertreten, Tiere quälen?“

Alle: „Nein, das will ich nicht!“

3. „Willst Du fluchen und auf Gott vergessen?“

Alle: „Nein, das will ich nicht!“

1. „Glaubst Du an Gott, der unser Vater im Himmel ist und der die Welt so wunderbar erschaffen hat?“

Alle: „Ja, ich glaube!“

2. „Glaubst Du an Jesus Christus, den Heiland, der für uns gestorben ist, um uns in den Himmel zu führen?“

Alle: „Ja, ich glaube!“

3. „Glaubst Du an den Heiligen Geist, der uns erleuchtet, und einmal vollenden wird?“

Alle: „Ja, ich glaube!“

Danke für euer Versprechen. Nun bekommt ihr von der Taufpatin das weiße Kleid! Anschließend holt der Taufpate von der Osterkerze das Osterlicht und übergibt es seinem einstigen Taufkind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Der Verkündigungsdienst der Laien

 

 

Was sich bei uns sehr bewährt hat, dass ist der Verkündigungsdienst der Laien, bei Wortgottesdiensten, aber auch bei der Gestaltung des Wortgottesdienstes während der Hl. Messe.

Entstanden aus der Not, da der Herr Pfarrer im Jahre 1999 schwerst erkrankte. Was ist, wenn wir keine Aushilfe bekommen? Wir müssen selbst Wortgottesdienste gestalten können.

Noch bevor der Herr Pfarrer ins Spital ging, haben wir mit einigen Leuten gleich durchprobiert: Wo sind die liturgischen Bücher? Wie gestalten wir den Einzug? Wo soll der/die GestalterIn sitzen? Wie schaut der Predigtteil aus?

Wir sind auch schon einmal beim Bischof verklagt worden, dass wir Unerlaubtes tun: Laienpredigt während der Hl. Messe. Herr Pfarrer antwortete: „Der Verkündigungsdienst der Laien ist aus der Not heraus entstanden, ist wie ein Baum geworden mit vielen guten Früchten.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zurzeit haben wir 11 Frauen und Männer, die bereit sind, allein oder zu zweit, den Verkündigungsdienst zu gestalten. Einmal im Monat, das wird bei einer Sitzung für das ganze Jahr hindurch geplant, mögen Laien den Verkündigungsdienst versehen.

Christus, der innere Lehrer, ist bei der Verkündigung wichtig, wie der Hl. Augustinus sagt: „Ich komm mit meines Wort's Geräusch nur bis an Euer Ohr, das innere Verstehen muss euch Christus, der innere Lehrer geben.“

Dennoch ist der oder die, die verkündet wichtig.

Der Pfarrer ist einer der wenigen, der Theologie studiert hat. Zudem führt er als Eheloser ein ganz anderes Leben als fast alle anderen. Aus dieser extremen Lebenserfahrung deutet er das Wort Gottes. Trifft er da wohl die ZuhörerInnen? Können sie ihn verstehen? Haben nicht die Laien eine ganz andere Lebens- und Glaubensgeschichte, aus der sie das Wort Gottes deuten? Würden nicht Laien das Wort Gottes besser verstehen, wenn es von Laien ausgelegt wird?

Der Pfarrer muss ca. 120 Mal im Jahr predigen. Was passiert, wenn er 20 Jahre in einer Pfarre Pfarrer ist? Muss er sich da nicht wiederholen? Ist es nicht so, dass einer, der verkündet, immer wieder auf die wesentlichen Gedanken seines Glaubens zu sprechen kommt? Unwesentliches will er ja nicht sagen.

Das sind Gründe, welche die alte Weisheit auch in der Liturgie bestätigen: „Variatio delectat – Abwechslung erfreut“?

 

 

Der Liturgiekreis ändert sich und auch die Liturgie ändert sich!

 

 

v.l.n.r.: Organistin Grete Fuchs, Maria Faustmann, Rosemarie Pichler,
Maria Knöbl, Alexandra Hofer, Pfarrer Wolfgang Fank

 

 

Dann kamen traurige Zeiten. Die Organistin Grete Fuchs, die auch lange Zeit Chorleiterin war, wird krank, leidet fast drei Jahre und stirbt am 08. April 2018. Es war der Sonntag der Barmherzigkeit. Ihr Begräbnis fand am Sonntag, dem 15. April, während des Pfarrgottesdienstes statt und wurde dann in ihrem Heimatfriedhof Ebersdorf begraben.

Was tun ohne Organistin? Robert Pichlhöfer, der in der Jugendzeit Klavier und Keyboard gelernt hat, langjähriger Ministrant, sagt: „Jetzt muss ich wieder anfangen.“ Er macht es gut, steht aber berufsbedingt nur jeden dritten Sonntag zur Verfügung. Was machen wir bei den drei anderen Sonntagsmessen? Bei der Frühmesse ist immer jemand, der die Lieder anstimmt. Bei der Vorbereitung der Gestaltung der Pfarrmessen zeigt sich Maria Knöbl's hervorragendes Organisationstalent. Sie versucht, wenn sie keinen Organisten auftreiben kann, Singgruppen zu engagieren. Singgruppen aus der eigenen Pfarre wie Justament oder den Viergesang, dann auch Singgruppen aus anderen Pfarren. Sie bekommen als Dank eine kleine Jause und ein Glas Honig. Auch mehrere Bläsergruppen haben sich in der Pfarre gebildet. Grete Fuchs war eine hervorragende Organistin und Sängerin. Sie ist nicht mehr. Aus dieser Not haben wir wieder Neues gefunden. Wir werden mit einer abwechslungsreichen Gestaltung der Liturgie belohnt.

Danke Maria Knöbl.

Auch die Kantorengruppe, die Alexandra Hofer leitet, wird immer wichtiger.

Dann ein neuer Schlag! Die Chorleiterin Rosemarie Pichler wird krank, leidet mehrere Monate und stirbt am 01. Juli 2020.

Danke, Rosemarie, für deinen wichtigen Dienst für unsere Pfarre.

Wie wird es mit dem Kirchenchor weitergehen? Bei Begräbnissen gewinnen wir meistens die Organistin aus Friedberg, die auch den Chor leitet. Gelegentlich springt bei Begräbnissen die Musikkapelle ein. Bei Hochfesten wie Ostern oder Weihnachten leiten Alexandra Hofer und Ferdinand Kogler den Kirchenchor.

Wir sind noch auf der Suche nach einem Chorleiter oder Chorleiterin.

Und der Liturgiekreis schrumpft auf vier Personen: Pfarrer Wolfgang Fank, Maria Knöbl, Maria Faustmann (Schriftführerin) und Alexandra Hofer (Leiterin des Arbeitskreises).

 

 

 

 

Die Corona-Pandemie wirft alles durcheinander

 

 

Das Jahr 2020 verlief ganz anders als erwartet. Ein Virus kleiner als ein tausendstel Millimeter wirft alles durcheinander, weltweit: die Wirtschaft, das gesellschaftliche Leben, bringt gesundheitliche Gefahren und schränkt die öffentlichen Gottesdienst zweitweise auf Null ein.

Es begann am 15. März. Von da an wurden die öffentlichen Gottesdienste von der Bundesregierung mit Absprache mit der Bischofskonferenz gänzlich ausgesetzt.

In der Karwoche durfte gefeiert werden, aber nur mit maximal vier Personen, und die mussten auch immer dieselben sein.

Wir feierten die Karwoche zu viert. Und dennoch! Es war immer ein berührendes Fest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herr Pfarrer begrüßte stets die drei Teilnehmerinnen und forderte sie auf, im Gedanken und im Herzen 100 Leute aus der Pfarre mitzunehmen und für sie zu beten. Dann haben wir eine volle Kirche. Wir taten das am Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag. Wir feierten Osternacht zu viert und auch den Ostergottesdienst. Es war jeweils ein Fest. Da muss der Heilige Geist mitgespielt haben.

Während Herr Pfarrer dies schreibt, bekennt er, kommt immer wieder Rührung auf.

In den folgenden zwei Sonntagen feierten zwei Frauen aus der KFB mit deren Gatten mit Pfarrer Wolfgang Fank stellvertretend für die Pfarrgemeinde den Pfarrgottesdienst.

Ab 15. Mai durften schon 40 Leute mitfeiern und dann schon an die 100. Ab November war das Singen nicht mehr erlaubt. Die Gottesdienste wurden traurig.

Zu Allerheiligen musste der große Friedhofgang entfallen. Mitte November musste dann der zweite Lockdown ausgerufen werden. An den nun folgenden Sonntagen bis einschließlich 06. Dezember feierten wir wieder mit den Mitgliedern des Liturgiekreises stellvertretend für alle PfarrbewohnerInnen den Pfarrgottesdienst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wann kommt die Erlösung?